Sonntag, 2. Dezember 2012

Adventus Domini


  Advent, Adventus Domini - Der Herr kommt. 
  Eine mehr als zweitausend Jahre alte Ankündigung, ein Jubel, Vorfreude:

  Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über die da wohnen 
  im finstern Lande, scheint es hell. Du machst des Volkes viel; du machst groß 
  seine Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, 
  wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast das Joch ihrer Last 
  und die Rute ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie
  zur Zeit Midians. Denn alle Rüstung derer, die sich mit Ungestüm rüsten, 
  und die blutigen Kleider werden verbrannt und mit Feuer verzehrt werden. 
  Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft 
  ist auf seiner Schulter; er heißt Wunderbar, Rat, Held, Ewig-Vater Friedefürst; 
  auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Stuhl 
  Davids und in seinem Königreich, daß er's zurichte und stärke mit Gericht 
  und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.

  Jesaja 9, 1-6

Sandro Botticelli 1487 Die Madonna vom Granatapfel

  Der Friedefürst mit lässigem Gruß

  Jesaja oder, was schöner klingt, Jeschajahu ben Amoz lebte im 7. Jahrhundert 
  vor Christus in Juda, das damals von Assyriens Macht bedroht war, und war 
  ein Prophet.
  Wiki sagt: Er verkündete Juda, Israel und Assur Gottes Gericht, aber auch 
  eine endzeitliche Wende zu universalem Frieden, Gerechtigkeit und Heil. 
  Als erster Prophet Israels verhieß er den Israeliten einen zukünftigen Messias 
  als gerechten Richter und Retter der Armen. 
  Im Schrein des Buches in Jerusalem kann man die Jesajarolle sehen, ein Duplikat
  zumindest, in den Höhlen von Qumran gefunden, gilt sie als das älteste voll-
  ständig erhaltene Manuskript eines Buches der Bibel und wurde um 200 v. Chr. nieder
  geschrieben. 
   
  Jesaja 42,9 

  Seht, das Frühere ist eingetroffen, Neues kündige ich an. Noch ehe es zum 
  Vorschein kommt, mache ich es euch bekannt.
  
  So bei Luther, bei Martin Buber heisst es: 
   
  Neues melde ich an, eh es wächst, lasse ich euch es erhorchen.

Ehe es wächst, lasse ich euch es lauschen.

Lange haben wir das Lauschen verlernt!
Hatte Er uns gepflanzt einst zu lauschen
Wie Dünengras gepflanzt, am ewigen Meer,
Wollten wir wachsen auf feisten Triften,
Wie Salat im Hausgarten stehn.

Wenn wir auch Geschäfte haben,
Die weit fort führen
Von Seinem Licht,
Wenn wir auch das Wasser aus Röhren trinken,
Und es erst sterbend naht
Unserem ewig dürstenden Mund –
Wenn wir auch auf einer Straße schreiten,
Darunter die Erde zum Schweigen gebracht wurde
Von einem Pflaster,
Verkaufen dürfen wir nicht unser Ohr,
O, nicht unser Ohr dürfen wir verkaufen.
Auch auf dem Markte,
Im Errechnen des Staubes,
Tat manch einer schnell einen Sprung
Auf der Sehnsucht Seil,
Weil er etwas hörte,
Aus dem Staube heraus tat er den Sprung
Und sättigte sein Ohr.
Presst, o presst an der Zerstörung Tag
An die Erde das lauschende Ohr,
Und ihr werdet hören, durch den Schlaf hindurch
Werdet ihr hören
Wie im Tode
Das Leben beginnt.

Nelly Sachs
Stockholm 1945 oder 46

 

Kommentare:


  1. Botticelli
    So viel Zweifel in diesem Bild. Wispern hinterm Rücken. Vorwissen bei allen Personen. Keine Ankunft. Eher Abschied. Die Blicke der Frau und des Kindes nach innen gesunken. Das Kind ist zu schwer für die Hände der Frau. Es wird ihr gleich entgleiten. Fallen.

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  2. "...daß er's zurichte..."

    Ich glaube, das mit dem zurichten haben die Menschen falsch verstanden und dann auch noch auf sich bezogen...

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