Dienstag, 12. Juni 2012

Picasso - BLAU - Goethe


BLAU 

Johann Wolfgang von Goethe

778.
  So wie Gelb immer ein Licht mit sich führt, so kann man sagen, daß Blau immer etwas Dunkles mit sich führe. 

779.
Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare und fast unaussprechliche Wirkung. Sie ist als Farbe eine Energie; allein sie steht auf der negativen Seite und ist in ihrer höchsten Reinheit gleichsam ein reizendes Nichts. Es ist etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe im Anblick. 

780.
   Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. 
 
781. 
Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht. 

782.
Das Blaue gibt uns ein Gefühl von Kälte, so wie es uns auch an Schatten erinnert. Wie es vom Schwarzen abgeleitet sei, ist uns bekannt. 

783.
    Zimmer, die rein blau austapeziert sind, erscheinen gewissermaßen weit, aber eigentlich leer und kalt. 

784.
Blaues Glas zeigt die Gegenstände im traurigen Licht. 

785.
  Es ist nicht unangenehm, wenn das Blau einigermaßen vom Plus participirt. Das Meergrün ist vielmehr eine liebliche Farbe.


Alter Mann mit Gitarre in Barcelona 1903

Das Mahl des blinden Mannes 1903

Die Tragödie 1903


Kommentare:

  1. Wie wohl die Sprache tut, und wie erstaunlich gut diese Sprache und die Stimmung der Bilder miteinander leben und uns dabei angehen. Zwischen ihnen liegen zweihundert Jahre und noch einmal hundert zu uns. Ein gutes Gefühl.

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  2. Zahlen und ich, na ja...
    Hundert von 1800 zu 1900 und noch mal zu 2000, wäre ja auch schon großzügig genug gewesen.
    Liegt wohl am Hexeneinmaleins.
    Oder, dass die Goethezeit von der Picassos, die ja in meine Lebenszeit hineinreicht, viel weiter weg scheint.

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