Samstag, 28. Januar 2012

Tigerlillies - Freakshow

Die Tigerlillies auf einem geschenkten Mix-Tape Ende der 80er, und ich meine wirklich Tape, auf einer Cassette also, ein Lied gesungen in feinstem Falsett, ungeschlechtlich schön und doch eindeutig ein Mann. Zarteste Melodie und dazu ein gräßlich trauriger Text - "Pretty Soon" - die mitleidlose Vorraussage des "Ziemlich Bald" anstehenden Todes und der Details des Verfalls des Körpers vor und nach dem Sterben, mit der sich wiederholenden Endzeile: "Hoffe nur, jemand ist bei Dir, wenn Du stirbst".

Pretty soon, it will be your judgement day
Pretty soon, you will be in decay
Pretty soon, on a marble slab you'll lie
Hope someones with you when you die

Pretty soon, you body will be in pain
Every muscle and sinew will burn like a flame
Pretty soon, in fear you will cry
Hope someones with you when you die

Pretty soon, maggots eat your flesh
Pretty soon, old and rotting where once you were fresh
Pretty soon, your flesh putrefies
Just hope someones with you when you die 

 
Es war ungeheuer kompliziert, herauzufinden, wer der Verleger ihrer Platten ist und wie man die aus England importiert. Aber ein lieber Mensch hat es geschafft. 
Dann im Schillertheater, als Gastspiel "Der Struwwelpeter". Wow, unvorbereitet, erwartete ich Kindertheater und erlebte barockes Horrordrama, hoch artifiziell und garstig und bildgewaltig. Definitiv nichts für Kinder!

http://www.youtube.com/watch?v=hwXPPgEAvjI 
Der Fliegende Robert - Flying Robert
Später ein Konzert in der Kalkscheune, da saß Martyn Jacques, der Sänger, mit seiner Ziehharmonika, oft mit geschlossenen Augen, neben ihm die beiden anderen (Adrian Huge und Adrian Stout) und zauberte gräuliche Endzeitvisionen in die damals noch verrauchte Luft des Saales.
Heute im Wintergarten eine "Freakshow", und auch wenn es wunderbare artistische Nummern gab, und die dekadente und doch zornige Grundstimmung mir gefiel, kam es doch letztendlich zu nichts. Der Gesang: vergröbert und eingeebnet, poesiearm und nachlässig, die Poesie nur noch erinnert und deshalb behauptet. Schade, schade!
Aber zwei, drei Szenen waren hinreißend! Und eine Mitspielerin, eine Zwergin, war von solchem Ernst und solcher Eleganz, dass sie manches zu lange Lied fast wettmachte.


Dies war lange mein Lieblingslied der Band, ein hysterisierter Soldat singt über seine Glücksgefühle beim Einschlagen der Nägel während er Jesus ans Kreuz nagelt.

3 Kommentare:

  1. Schade. ich hab sie auch auf tape kennengelernt. In der Kalkschaune fand ich sie großartig, aus der Zeit geschossen in einen alten neuen schrägen Film. Das ist mein Lieblingslied: http://www.youtube.com/watch?v=X_hqLmxvpiI&feature=related

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  2. Mag das Lied und mag Dich. Aber die gestrige Show war enttäuschend.

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  3. Dann hab ich ja nix verpasst. Trotzdem Schade, ich hätte lieber gewusst daß sie immer noch und auch im Wintergarten mit oder ohne mein Zuschaun großartig sind. Wunsch ist Wunsch.

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