Sonntag, 29. Januar 2012

The Ides of March - Die Iden des März - Idus Martiae


Der 15. März des Jahres 44 - Gaius Iulius Caesar nimmt an einer Sitzung des römischen Senats im Theater des Pompeius teil.

Ein Augur, ein Vogelschauer, hatte Caesars Frau, die ihn auf Grund von Albträumen aufgesucht hatte, am Morgen desselben Tages, mit den Worten: "Cave Idus Martias" vor möglichem Übel für ihren Mann gewarnt. Caesar ging dennoch zur Senatssitzung, und als er im Anschluss auf eben jenen Seher traf, stellte er abschätzig fest „Die Iden des März sind da!“, worauf dieser entgegnete: „Da sind sie, aber noch nicht vorbei.“ Tja. Caesar wurde dann mit 23 Dolchstichen ermordet.

Was macht der deutsche Filmverleih für den Fall, dass der Zuschauer unwissend UND unfähig zur Benutzung des Internets ist, er gibt dem Film einen Untertitel: Tage des Verrats. WARUM????

Der Film: George Clooney hat Regie geführt, Leonardo DiCaprio ist einer der Produzenten. Schauspieler, beide! Und Ryan Gosling spielt den zentralen Unschuldsverlierer und, Gott sei Dank nach "Drive", dieses Mal mit Mimik und Timing.

Ich habe einige von Clooneys Regieprojekten gesehen und bin erstaunt; nicht dass ich glaube, er sei ein großer Regisseur, aber er ist ein anständiger Mensch und ein Moralist und fühlt sich verpflichtet, sich mit seinem Zorn über den Zustand der Welt öffentlich auseinanderzusetzen. Das klingt altbacken und berührt mich sehr. Und er besetzt außerordentlich gut!

Da nutzt einer seine Popularität und sein hübsches Gesicht, nicht nur für Espresso Werbung und den Verkauf teurer Uhren, sondern um Filme zu realisieren, die ohne seinen Namen und seinen Einfluss, höchstens in Indiewettbewerben lobende Erwähnung finden würden, was nichts Schlechtes ist, aber die Zuschauerzahl per se unter 100 000 festlegen würde.

Die Handlung: Ein Gouverneur im Wahlkampf für das Amt des Präsidenten, ein guter Kandidat, einer, der sagt, was er denkt, der Risiken eingeht, unkorrumpierbar - Clooney charmant, ernsthaft, glaubwürdig, ein weißer Obama - sein Wahlkampfteam, eine gut geölte Maschine - Gosling ist sein Public Relation Manager, Philip Seymour Hoffman (großartig wie immer) sein Wahlkampfmanager. Eine "kleine" Indiskretion ereignet sich, und was folgt, lässt sich am besten in Englisch sagen: Everything unravels. Alles löst sich auf, trifft es nicht ganz. Wie bei einem Pullover, der wunderbar aussieht und nur ein kleiner Faden hängt frei - jemand zieht daran und ...

Trotz gegenteiliger Erfahrung und vielmaliger Enttäuschung, sitzt tief in den meisten von uns, immer noch, die Hoffnung auf den Erlöser, den der es richten wird, Obama war so einer für viele. Und dann geht der Mann Kompromisse ein, "knickt ein", hält nicht was er versprochen hat, genau wie es zu erwarten war, und wir sind enttäuscht und zornig.

In seiner "Minima Moralia" stellt Adorno die Frage (man klingt das intellektuell) „Wie lebt man unter allen Umständen richtig?“, und seine Antwort lautet: "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen." Darüber spricht dieser Film, ganz ohne blutige Dolchstöße, ohne großes Drama. Ein Lehrstück.



Kommentare:

  1. Adornos Fragen gefallen mir besser als seine Antworten. Wie Adorno seine Fragen meinte, gefällt mir besser, als die Wörter, die benutzt, um diese Frage zu formulieren. Dass er unruhig macht, gefällt mir sowieso.

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  2. Michael Dressel
    Guter Film von der Sorte die kaum noch gemacht wird. Mir schauert vor der Synchronisation, vom deutschen Titel mal abgesehen. Es waere wirklich interessant mal rauszufinden wer genau fuer diese idiotischen Benennungen verantwortlich ist.

    Johanna Schall
    Gott sei Dank habe ich die OV gesehen. Schauer ist wohl das rechte Wort.

    Johanna Schall
    Kannst Du Dich noch an "Blutige Erdbeeren" - aka "Strawberry Statement" erinnern, muß was deutsches sein.

    Michael Dressel
    Ja das war ein praegendes Filmereignis. Hier hat kaum jemand von dem Film gehoert.

    Johanna Schall
    Fuck, Die Weltfestspiele. Man ist das lange her.

    Michael Dressel
    Damals haben uns schlechte Synchronisationen noch nicht gestoert. Mich jedenfalls nicht.

    Johanna Schall
    Damals.

    Daphne Felsenstein-Moore ‎
    "The Ides of March" was a play before it was filmed and sometimes I think film per se could benefit from a stronger "drama" structure-the film was full of tension and the bild sequences just the right length for dramatic quality!

    Johanna Schall
    Right. But films adapted from plays don't always work. The timing does not always fit with the cinematic structure, I think.

    Daphne Felsenstein-Moore
    No true, but perhaps more often than the other way round!

    Johanna Schall Sure.
    I recently did two movieadaptations for the stage. They worked, but that is the exception.

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