Samstag, 22. Oktober 2011

Mord als Lösung, Mord als Recht

Scheint es euch auch merkwürdig, dass der Rache-Mord nunmehr, in diesem unseren Jahrhundert, das sich doch mit selbstsicheren Hochmut vom dunklen Mittelalter distanziert, zum gewöhnlichen politischen Arbeitsinstrument wird? Und zwar nicht heimlich und verdeckt, sondern ganz stolz und überzeugt?

Sicher, die andere Wange hat zu viel abgekriegt. Sicher so richtig einen in die Schnauze und  ein Zahn für den verlorenen Zahn raus, tut manchmal not. Und wenn ein Auge mit draufgeht, tough luck!

Ich verstehe, wenn jemand geht und tötet, den der getötet hat. Ich weiss nicht, was ich täte, wenn jemand meine Lieben anrührte.

Aber, wenn der Staat, erfunden als Bollwerk der Zivilisation, auf das wir zusammenleben können, ohne uns ungeordnet die Schädel einzuschlagen, wenn dieser Staat nun ins alttestamentarische verfällt, was ist dann?

Muammar Al-Gadafi

Osama Bin Laden


Lukas Evangelium 6,27
Aber euch Zuhörenden sage ich: Liebet eure Feinde; tut Gutes denen die euch hassen;  segnet die, die euch verfluchen, betet für die, die euch misshandeln.  Dem, der dich auf die Wange schlägt, halte auch die andere hin; und dem, der dir den Mantel wegnimmt, verweigere auch das Hemd nicht.  Gib jedem, der etwas von dir bittet und von dem der dir das Deinige nimmt, fordere es nicht zurück. Und so wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, tut auch ihr ihnen gleichermassen. Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, wie gross ist eure Gnade? Denn auch die Sünder lieben die, die sie lieben.  Und wenn ihr denen gutes tut, die euch gutes tun, wie gross ist eure Gnade? Denn auch die Sünder tun dasselbe. . Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr hofft es wieder zu erhalten, wie gross ist eure Gnade? Denn auch die Sünder leihen Sündern, damit sie das Ihre zurück erhalten. . Doch liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht ohne zurück zu erhoffen und euer Lohn wird gross sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig zu den Gnadenlosen und Bösen. . Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist.

Kommentare:

  1. Was ist mit uns passiert, dass uns diese Fragen aufkommen, wenn ein Diktator ermordet wird. Da zucken wir zusammen.
    Warum regt sich plötzlich das große Weltgewissen. Warum fragt es kaum nach den Gesichtern der derer, die in nicht zählbaren Gefängnissen, Lagern, Kellern verrecken oder unter staatlicher Aufsicht und ärztlicher Mitwirkung hingerichtet wurden und täglich werden. Jetzt. In gerade diesem Moment.
    Ja, wir können es nicht verhindern. Aber wir dürfen wenigstens daran denken, dass auch sie Gesichter und einen Namen haben.

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  2. Was ich hier im Speziellen meine, ist, dass der Auftragsmord wieder gesellschaftsfähig wird, ganz öffentlich und sogar mit dem Selbstlob der Auftragsgeber in allen Medien.

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  3. Ich weiß nicht, wie oft ich gestern am Bild des zerfleischt blutigen Totgesichts von Gaddafi vorbeigegangen bin. Es prangte auf der Titelseite der Bildzeitung und die prangte im Zeitungsständer vor dem Supermarkt in der Fußgängerzone, in der Auslage beim Tabakladen im Kaufhof und, und, und.
    Ich habe mich gefragt, wieviele Kinder, genau wie ich, daran vorbeigegangen sind und wie die modernen zivilisierten Erwachsenen an ihrer Seite ihnen wohl diesen Anblick erklärt haben mögen.

    Niemand bestreitet seine Vergehen. Niemand will seine Opfer geringschätzen, deren Leid unbeachtet geblieben ist. Aber vielleicht wären die politischen Statements der Erleichterung über das Ende seiner Diktatur rund um den Globus ein wenig glaubwürdiger, wenn die nun so erleichterten Länder nicht auf eine Geschichte gewinnbringender Wirtschaftsbeziehungen und politischem Kuschelkurs zurückblicken müssten.
    Vielleicht müssten ach so gelobte Demokratien weniger biblische Rachegreul rechtfertigen, wenn sie sich nicht an Diktaturen bereichern würden, Diktatoren nicht erst auf eine ansehnliche Größe päppeln und entschlossen gegen sie agieren würden, auch wenn man noch an ihnen hätte verdienen können.
    Und da ist der Verweis auf die unbekannten Opfer, das Leid der Bevölkerung bigott. Politiker und Staaten, die jahrzehntelang dieses Leid wohl zu ignorieren wussten, sind nicht in der Position bestialische Beseitigungslösungen für Diktatoren und Terroristen zu rechtfertigen - welche sie erst unterstützen und praktizieren, wenn selbige ein wenig zu offensichtlich ungezogen werden.

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  4. Macht

    Gaddafi

    Die Leute, die so wild am Leben hängen
    Und dessen Sinn in keiner Weise achten,
    verpassen nicht, das Leben hinzuschlachten.
    Sie stärken ihr Gewicht, wenn sie verdrängen.

    Wenn Kleingeist einmal oben angekommen,
    wird er sich fortan der Moral entladen
    damit die Demokraten ihm nicht schaden.
    Jetzt ist der Gipfel seiner Macht erklommen!

    Da gibt es kein Zurück, nur über Leichen-
    So postuliert er- wird sein Wunder wirken.
    Schon wenn die Opfer nach Verwesung rochen

    Und ihre Gräber unter Pinien, Birken
    Wird er noch auf die krude Herrschaft pochen
    und sinnlos seinen Untergang erreichen

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  5. Wir leben auch in Europa in der Zeit des "embeded Journalism".
    Dennoch sind wir weit von Zensur entfernt, wie es vielleicht in Russland oder anderen Staaten der Fall ist...

    Ulli Denk

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  6. Ich möchte gewiss auch keine Zensur, ganz sicher sogar nicht. Aber ich hätte gerne zwei andere Dinge.
    Erstens finde ich, dass jeder Beruf eine Ethik haben kann und man sich durchaus einige Gedanken machen kann bevor man Leichen zur Schau stellt - die dann zu einem anderen Ergebnis kommen, als in diesem Fall. Ich will in keiner Weise Lady Di und Gaddafi als Personen vergleichen, überhaupt nicht... aber nach dem Unfall der Prinzessin wurden Fotos gemacht, die bis heute keine Veröffentlichung erfahren haben - und es würde ein Aufschrei um die Welt gehen, wenn sich das jemals ändert. Warum muss ich einem Verbrecher gegenüber weniger Berufsethik walten lassen, als einer Prinzessin? Bestimmt denn der Wert, den ich einem Menschen gebe den Wert meiner Handlungen? Bei persönlicher Involvierung, ja, vielleicht... aber was ist mit Berufsethik? Stellt die Frage, ob ich ein blutzermatschtes Gesicht auf die Titelseite nehme nicht eher mich auf den Prüfstand als den Toten?
    Was ist mit einer gesellschaftlichen Ethik, die sich da in dieser Medienentscheidung wiederspiegelt?
    Und das zweite, was ich mir persönlich wünschen würde, ist, dass jene Staaten, die sich zivisiliert nennen, deutliches Bedauern und eindeutige Kritik daran äußern, wenn Diktatoren gelyncht werden, statt sie den extra dafür eingerichteten Gerichtsbarkeiten zuzuführen, die die zivisilierte Welt für solche Gelegenheiten eingerichtet hat - statt Beifall zu klatschen.

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