Sonntag, 7. August 2011

Samson Teil 1 - Eselsbacken, Klaus Nomi und Michelangelo

 
Und die Kinder Israel taten fürder übel vor dem HERRN; und der HERR gab sie in die Hände der Philister vierzig Jahre. Richter Kapitel 13
Manoah aus Zora und sein namenloses Weib waren kinderlos, da erschien eines Tages dem Weib ein Engel des Herren und verkündete ihr: Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, fügte aber hinzu: unter zwei Bedingungen: erstens während der Schwangerschaft keinen Alkohol und immer schön koscher essen und dem Kind nie, dass heisst niemals die Haare schneiden! Und das Weib gebar einen Sohn und hieß ihn Simson.
Samson oder Schimschon oder Simson ist hebräisch ‏ שמשון‎ „von der Sonne“; auch „Diener Gottes“, oder  „Kleine Sonne“ bzw. „Sönnchen“.
Lukas Cranach der Ältere 1520-25

Größerer Zeitsprung und Simson verliebt sich ausgerechnet in eine Philisterin, also eine Schickse, natürlich sehr zum Ärger seiner Eltern. Er läßt sich aber von ihren Einwänden (die sind doch alle unbeschnitten etc.) nicht abhalten und schleppt sie zum Antrittsbesuch. Auf dem Weg begegnet er einem wilden Löwen. Und der Geist des HERRN geriet über ihn, und er zerriß ihn, wie man ein Böcklein zerreißt, und hatte doch gar nichts in seiner Hand. Kein Wort davon zu seinen Eltern, die offensichtlich nichts bemerkt hatten. Das Treffen mit Zukünftiger und Schwiegereltern verläuft günstig und beim nächsten Besuch sieht er neben dem Weg den Kadaver des Löwen. Und siehe, da war ein Bienenschwarm in dem Leibe des Löwen und Honig. Und er nahm ihn in seine Hand und aß davon unterwegs. Die Eltern kriegen auch was, aber wieder ohne Angabe der Quelle.
Der Junge war offensichtlich ein Geheimniskrämer und liebte demzufolge auch lustige Rätsel auf deren Lösung keiner kommen kann, denn nun begann Simson mit den Hochzeitsvorbereitungen und sie, also die Philister, sprich seine Schwiegereltern, gaben ihm dreißig Gesellen, die bei ihm sein sollten. Simson aber sprach zu ihnen: Ich will euch ein Rätsel aufgeben. Wenn ihr mir das erratet und trefft diese
Franz von Stuck, „Samson. Der Kampf mit dem Löwen” um 18
sieben Tage der Hochzeit, so will ich euch dreißig Hemden geben und dreißig Feierkleider. Könnt ihrs aber nicht erraten, so sollt ihr mir dreißig Hemden und dreißig Feierkleider geben. Und sie sprachen zu ihm: Gib dein Rätsel auf; laß uns hören! Er sprach zu ihnen: Speise ging von dem Fresser und Süßigkeit von dem Starken. Und sie konnten in drei Tagen das Rätsel nicht erraten. Ist auch kein Wunder, der Sinn ist völlig unverständlich. So ein Spaßvogel. Am siebenten Tage sprachen sie zu Simsons Weibe: Überrede deinen Mann, daß er uns sage das Rätsel, oder wir werden dich und deines Vaters Haus mit Feuer verbrennen. Habt ihr uns hierher geladen, daß ihr uns arm macht? Oder nicht? Ich finde das sind philistinisch mafiöse Umgangsformen.
Die Frau hat Angst, trickst Simson aus, er sagt ihr die Lösung des Rätsels, die dreissig Männer triumphieren, Simson ist sauer. Wenn ihr nicht hättet mit meinem Kalb gepflügt, ihr hättet mein Rätsel nicht getroffen. So weit, so harmlos, aber weil es sich bei Simson um einen Gottgeweihten handelt, kann es nicht dabei bleiben, nein, es muß ausarten und das tut es:
Und der Geist des HERRN geriet über ihn, und er ging hinab gen Askalon und schlug dreißig Mann unter ihnen und nahm ihr Gewand und gab Feierkleider denen, die das Rätsel erraten hatten. Und dann ging er nach Hause zu seinen Eltern. Aber Simsons Weib ward einem seiner Gesellen gegeben, der ihm zugehörte. Das hat sie nun davon.

Dieser Geist des Herren hat ein sehr sensibles Gefühl dafür, wann er "überkommt" und ist auch praktisch als Entschuldigung gegenüber etwaigen Vorwürfen von Seiten der Bewohner des völlig unbeteiligten Askalon.  

Ein paar Tage später hat Simson den Fakt, dass er seine Frau nach dem Wutausbruch sitzengelassen hat, völlig vergessen und will sie mit einem Ziegenböcklein überraschen. Sein Fast-Schwiegervater läßt ihn nicht in ihr Zimmer, weil sie ja schon anderweitig vergeben ist, bietet aber seine jüngere Tochter als Ersatz an. Simson fällt daraufhin plötzlich ein, dass er die Philister überhaupt haßt: Ich habe einmal eine gerechte Sache wider die Philister; ich will euch Schaden tun. Er fängt 300 Füchse und, entweder zündet er ihre Schwänze an und läßt sie dann durch die Felder und Ölbaumpflanzungen der Philister rennen, oder er reißt ihnen die Schwänze aus und legt sie brennend aus. Die Philister erhalten auf ihre berechtigte Frage: warum, die Antwort: darum daß er (der Schwiegervater in spe) ihm sein Weib genommen und seinem Freunde gegeben hat. Scheinbar sind die Philister sehr einsichtige Leute, denn sie gehen nun ihrerseits zu dem Mann mit den Töchtern und verbrennen sie. Das passt Simson aber nun auch nicht und er haut sie hart an Schultern und an Lenden. Geht weg und schmollt.
Guido Reni 16. Jht (Ups! 1610/11). Siegreicher Samson
Jetzt haben die Philister die Schnauze voll und ziehen gegen Juda.
Aber die von Juda sprachen: Warum seid ihr wider uns heraufgezogen? Sie antworteten: Wir sind heraufgekommen, Simson zu binden, daß wir mit ihm tun, wie er uns getan hat. Da also ziehen dann dreitausend Mann von Juda hinab zu Simson: Weißt du nicht, daß die Philister über uns herrschen? Warum hast du denn das an uns getan? Er sprach zu ihnen: Wie sie mir getan haben, so habe ich ihnen wieder getan. Sie sprachen zu ihm: Wir sind herabgekommen, dich zu binden und in der Philister Hände zu geben. Gesagt, getan. Und da er kam bis gen Lehi, jauchzten die Philister ihm entgegen. Aber der Geist Gottes geriet über ihn, und die Stricke an seinen Armen wurden wie Fäden, die das Feuer versengt hat, daß die Bande an seinen Händen zerschmolzen. Und er fand einen frischen Eselskinnbacken; da reckte er seine Hand aus und nahm ihn und schlug damit tausend Mann. Und Simson sprach: Da liegen sie bei Haufen; durch eines Esels Kinnbacken habe ich tausend Mann geschlagen. ... Und er richtete Israel zu der Philister Zeit zwanzig Jahre.
Von Cellini gegossen, nach einem Bozetto Michelangelos Samson und die zwei Philister

Der Mann scheint mir als Richter zwar völlig ungeeignet, aber das bin nur ich.

Victor Mature, der Samson in einem dieser Hollywood Monumentalfilme spielte, weigerte sich die Szene mit dem Löwen zu spielen. Als man ihm gut zuredete und den Löwen als alt, lieb und zahnlos beschrieb, antwortete er:
Ich möcht auch nicht zu Tode gemummelt werden.











Klaus Nomi singt "Mon coeur s'ouvre à ta voix" from Camille Saint-Saëns' opera Samson & Dalila (schlechte Tonqualität):
http://www.google.de/imgres?imgurl=http://4.bp.blogspot.com/-AUVhDjOwKIw/TeUsZBH8TPI/AAAAAAAACec/Di64gcp6D0M/s1600/Samson-Dalila-r1.jpg&imgrefurl=http://raddestrightnow.blogspot.com/2011/05/klaus-nomis-delilah.html&usg=__kgWjLxxHwiV5Xdwq6rylo3WwYOA=&h=400&w=451&sz=51&hl=de&start=0&sig2=qoziiqvBux0ComM8I6TpsQ&zoom=1&tbnid=lNoQaqdLws3gNM:&tbnh=122&tbnw=135&ei=B3Y-TvWjBtCA-wbr6fCeBg&prev=/search%3Fq%3Dsamson%2Bund%2Bdalila%26um%3D1%26hl%3Dde%26safe%3Doff%26sa%3DN%26biw%3D1045%26bih%3D534%26tbm%3Disch&um=1&itbs=1&iact=hc&vpx=515&vpy=77&dur=2851&hovh=211&hovw=238&tx=122&ty=97&page=1&ndsp=17&ved=1t:429,r:3,s:0
Die Callas singt die gleiche Arie:
http://www.youtube.com/watch?v=U_WALGjOnn8

1 Kommentar:

  1. Guido Reni: Nur weil Reni perfekt malen konnte, ist er hier kein großer Maler, finde ich. Sehr viel Zeitgeschmack ( noch mal nachgeguckt, nicht 16.Jh., das hätte mich verwundert, sondern 1611/12) drängt sich vor das Thema. Kein Kämpfer, eher so eine richtige Barocktussi, dieser Samson. Hübsche Muckis, saubere weiche haarlose Haut, Volkstanzhüftgriff, Füßchen mit Ballettattitude in Diagonale zum
    Schmachtblick. Dynamik bringt ein lieblich wehend Lendentuch. Der hat keinen Kampf gewonnen, der flirtet mit dem Rokoko.

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