Sonntag, 3. Juli 2011

Nein, es gibt kein Schicksal, aber manchmal...


Hinter den schuldlosen Bäumen

Hinter den schuldlosen Bäumen
langsam bildet die alte Verhängnis
ihr stummes Gesicht aus.
Falten ziehen dorthin ...
Was ein Vogel hier aufkreischt,
springt dort als Weh-Zug
ab an dem harten Wahrsagermund.

O und die bald Liebenden
lächeln sich an, noch abschiedslos,
unter und auf über ihnen geht
sternbildhaft ihr Schicksal,
nächtig begeistert.
Noch zu erleben nicht reicht es sich ihnen,
noch wohnt es
schwebend im himmlischen Gang,
eine leichte Figur.

Rainer Maria Rilke

“Femme aux Bras Croises” by Pablo Picasso 1901

Kommentare:

  1. Was Rilke unglaublich verdichtet hat, darf ich nicht breitbügeln.
    Nur das:
    Die Verhängnis. Ein Wortgeschenk.
    Was durcht die Änderung des Artikels für Welten eröffnet werden.

    AntwortenLöschen
  2. Alexander Höchst5. Juli 2011 um 00:14

    Das ist so liebevoll, so traurig, so bitter, so wahr, so groß, so träumend, so lebendig, so weit, so beängstigend, so heiß, so jung, so schön, so absolut, so heiter, so körperlich, so ganz, so zerreißend, so atemberaubend, so kalt... es ist ohne Hoffnung!

    AntwortenLöschen