Sonntag, 24. Juli 2011

Edna St. Vincent Millay 2

Ich weiß nicht, ob diese Gedicht gute Gedichte sind, aber sie sind historisch spannend. 
Millay hat sich, nachdem sie im Ersten Weltkrieg gegen den Eintritt der USA in den Krieg protestiert hatte, später viel Ärger aufgehalst, als sie sich 1942, nach dem Erscheinen von Photographien aus Lidice, mit Propaganda-Gedichten für einen schnellen Kriegseintritt aussprach und den, als Neutralität verkleideten, Isolationismus der Amerikaner attackierte.
Diese Gedichte liegt zeitlich dazwischen und sind aus einem Band "Wein aus diesen Trauben, der 1934 erschien.

 
Verweigerer aus Gewissensgründen 1934

Ich werde sterben, aber
das ist alles was ich für den Tod tuen werde.
Ich höre wie er sein Pferd aus dem Stall führt;
Ich höre das Getrappel auf dem Scheunenboden.
Er ist in Eile; er hat Geschäfte in Kuba,
Geschäfte auf dem Balkan, viele Besuche an diesem Morgen.
Aber ich werde das Zaumzeug nicht halten,
während er den Gurt festzieht.
Und er kann allein aufsitzen:
Ich werde ihm nicht herauf helfen.

Obwohl er meine Schulter streift mit seiner Peitsche,
Werde ich ihm nicht verraten wohin der Fuchs geflohen ist.
Mit seinem Huf auf meiner Brust, werde ich ihm nicht verraten, wo
sich der schwarze Junge im Sumpf versteckt.
Ich werde sterben, aber das ist alles was ich für den Tod tuen werde;
Ich stehe nicht auf seiner Gehaltsliste.
Ich werde ihm nicht den Aufenthaltsort meiner Freunde verraten
noch den meiner Feinde.
Obwohl er mir viel verspricht,
werde ich ihm nicht den Weg zu irgendeines Mannes Tür zeigen.
Bin ich ein Spion im Land der Lebendigen
Dass ich Menschen dem Tod ausliefern sollte?
Bruder, das Passwort und die Pläne unserer Stadt
sind sicher bei mir; niemals wirst du durch mich bezwungen werden.

Lidice 1942
Conscientious Objector

I shall die, but
that is all that I shall do for Death.
I hear him leading his horse out of the stall;
I hear the clatter on the barn-floor.
He is in haste; he has business in Cuba,
business in the Balkans, many calls to make this morning.
But I will not hold the bridle
while he clinches the girth.
And he may mount by himself:
I will not give him a leg up.

Though he flicks my shoulders with his whip,
I will not tell him which way the fox ran.
With his hoof on my breast, I will not tell him where
the black boy hides in the swamp.
I shall die, but that is all that I shall do for Death;
I am not on his pay-roll.

I will not tell him the whereabout of my friends
nor of my enemies either.
Though he promise me much,
I will not map him the route to any man's door.
Am I a spy in the land of the living,
that I should deliver men to Death?
Brother, the password and the plans of our city
are safe with me; never through me Shall you be overcome.

 
Auslassungszeichen nach Mensch

(Darüber nachdenkend, dass die Welt wieder bereit ist einen Krieg zu führen)

Abscheuliche Rasse, merz dich aus, stirb aus.
Pflanz dich fort, drängle, missbrauche, sing Hymnen, baue
Bombenflugzeuge;
Halte Reden, weihe Denkmäler ein, gib Anleihen aus, marschiere;
Wandle das verwunderte Ammoniak wieder in Sprengstoff
Und die unaufmerksame Zellulose;
Wandle in verwesende Masse die Fliegen anlockt wieder
Die hoffnungsvollen Körper der Jungen; ermahne,
Bete, mach lange Gesichter, sei ernsthaft,
sei völlig überwältigt, laß dich photographieren;
Verhandle, perfektioniere deine Formeln, kommerzialisiere
Bakterien, die menschlichem Gewebe schaden,
Wirf Tod auf den Markt;
Pflanz dich fort, drängle, missbrauche,
Expandiere, merz dich aus, stirb aus,
Homo names Sapiens.


 
Apostrophe To Man 

(On reflecting that the world is ready to go to war again)

Detestable race, continue to expunge yourself, die out.
Breed faster, crowd, encroach, sing hymns, build
bombing airplanes;
Make speeches, unveil statues, issue bonds, parade;
Convert again into explosives the bewildered ammonia
and the distracted cellulose;
Convert again into putrescent matter drawing flies
The hopeful bodies of the young; exhort,
Pray, pull long faces, be earnest,
be all but overcome, be photographed;
Confer, perfect your formulae, commercialize
Bacateria harmful to human tissue,
Put death on the market;
Breed, crowd, encroach,
expand, expunge yourself, die out,
Homo called sapiens.
 
from Wine from these grapes (1934)

Kommentare:

  1. Leute, die wirklich am Ersaufen oder sonstwie krepieren sind, wünschen sich vielleicht für sich selbst einen schnellen Tod. Vielleicht sogar, um das Leben eines anderen Menschen zu schützen.Die ganze Menschheit wollen immer nur, so mein Eindruck, Intellektuelle oder Ideologen ausrotten.

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  2. Aber der trotzige Satz - aus dem Kontext genommen - "Ich werde sterben, aber das ist alles, was ich für den Tod tun werde", gefällt mir so richtig gut. Erst mal. Ins reale Leben lässt er sich nicht kopieren. Schade.

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  3. ...genau diesen Satz fand ich auch ins Hirn bohrend... der ist toll. Selten das Leben so in einem Satz gefeiert gefunden.

    Aber was mich wirklich schockt ist, dass diese Worte 1934 geschrieben wurden und gestern hätten veröffentlicht werden können ohne weniger wahr zu sein.
    Das ist über alle Maßen frustrierend!

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