Montag, 27. Juni 2011

Messerschmidt - Nein, nicht das Flugzeug

Franz Xaver Messerschmidt geboren 1736 in Bayern, gestorben 1783 in Pressburg (Bratislava). Berühmt geworden durch seine "Köpf-Stücke", rund 52 Büsten, die er in Pressburg unter dem Einfluss der Lehren des Arztes Franz Anton Mesmer und der hermetischen Schriften des 'Hermes Trismegistos' schuf, hatte er, nach einer Ausbildung in München, zuvor als "ordentlicher" Bildhauer unter anderem für den österreichischen Hof gearbeitet.
Der deutsche Schriftsteller Friedrich Nicolai hat ihn in Pressburg besucht und "interviewt", er berichtet: er litt an einer Krankheit der Verdauungsorgane (vermutlich Morbus Crohn) und hat sich durch Kneifen in die untere rechte Rippengegend von den Schmerzen wegkonzentrieren wollen, als er sein Gesicht währenddessen im Spiegel sah, kam ihm die Idee diese 'Grimassen' in Bronze, bzw. Marmor festzuhalten. Er soll starkes Interesse an esoterischen Themen und Spiritualität gehabt haben und wollte, sein Gesicht als Vorlage benutzend, eine Sammlung von 64 kanonischen Grimassen erschaffen.
Ich finde es erstaunlich, wie modern diese Werke anmuten.


Der unfähige Fagottist - The Incapable Bassoonist
Der Gähnende - The Yawner
Wüstling - Lecher


Geplagt von Verstopfung - Afflicted with constipation
Ein Heuchler und Verleumder - A hypocritev and slanderer

Ein ärgerlicher Mann - A vexed man

Die Betitelung der Büsten ist übrigens wahrscheinlich nicht von Messerschmidt selbst, sondern später entstanden.

Video über die Büsten von Hakan Topal:
http://vimeo.com/14909282

Kommentare:

  1. Boah, die Büsten sind ja wunderschön, die sind in Bewegung und sie sehen so... jung... aus. Hätte man mir erzählt, sie seien vor 10 Jahren geschaffen worden - ich hätte das nicht bezweifelt.
    Mimik ist sowas schönes, Gesichtslinien sind sowas schönes. Dieser Trend zu glatt, glatter, Gesicht weg ist so ein Blödsinn. Sowieso, aber wenn man diese Büsten sieht, dann sind sie ein ganz eigenes Plädoyer gegen die normierte Einebnung von Gesichtszügen.
    Und... das habe ich bei Bildern von Skulpturen ganz oft und bei diesen so richtig schmerzhaft...ich würde die gerne anfassen und finde es irgendwie ganz schrecklich da nicht einfach die Hand ausstrecken zu können. Die fühlen sich bestimmt toll an, Lektüre für die Fingerspitzen.

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  2. Je naturalistischer Büsten gearbeitet sind, desto heikler wird es für mich, dass die Körper fehlen, weil die Abstraktionsebenen nicht zueinander stimmen.
    Wenn, wie bei Daumier, das Element des Karikaturistischen dazukommt, geht es mir schon besser.
    Wohl ist mir, wenn, wie in der Antike, reduziert wird, oder wenn in der Moderne das Material aufgebrochen wird.
    Diese grimassierenden Köpfe in poliertem Stein kann ich nur wegen der handwerklichen Kunstfertigkeit bestaunen. Sie anzufassen könnte ich mir nur aus Neugier vorstellen, und dann mit einer kleinen Überwindung.

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