Dienstag, 21. Juni 2011

Grimms Märchen - für Kinder nicht geeignet

Wie Kinder Schlachtens mit einander gespielt haben (1812)
II.


Einstmals hat ein Hausvater ein Schwein geschlachtet, das haben seine Kinder gesehen; als sie nun Nachmittag mit einander spielen wollen, hat das eine Kind zum andern gesagt: „du sollst das Schweinchen und ich der Metzger seyn;“ hat darauf ein bloß Messer genommen, und es seinem Brüderchen in den Hals gestoßen. Die Mutter, welche oben in der Stube saß und ihr jüngstes Kindlein in einem Zuber badete, hörte das Schreien ihres anderen Kindes, lief alsbald hinunter, und als sie sah, was vorgegangen, zog sie das Messer dem Kind aus dem Hals und stieß es im Zorn, dem andern Kind, welches der Metzger gewesen, ins Herz. Darauf lief sie alsbald nach der Stube und wollte sehen, was ihr Kind in dem Badezuber mache, aber es war unterdessen in dem Bad ertrunken; deßwegen dann die Frau so voller Angst ward, daß sie in Verzweifelung gerieth, sich von ihrem Gesinde nicht wollte trösten lassen, sondern sich selbst erhängte. Der Mann kam vom Felde und als er dies alles gesehen, hat er sich so betrübt, daß er kurz darauf gestorben ist.


Kommentare:

  1. Märchen wurden/werden auch Vorgänge genannt, die nicht dokumentiert sind und das erschreckte Fassungsvermögen überfordern.
    (Herta Müller: "Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm,[...], wenn wir reden, werden wir lächerlich.")

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  2. Alexander Höchst21. Juni 2011 um 09:00

    Was lehrt uns die Geschicht,
    schelte kleine Kinder nicht,
    stets lass sie frei nur handeln,
    dass sie recht behalten ihre Mandeln,
    lass sie werden groß und stark,
    und so selbstbewusst sind bis ins Mark,
    jeden Angriff wehren mit dem Messer,
    gleich darauf auch leeren alle Fässer,
    und am Ende liegen tot,
    auch die Eltern neben ihrem Boot,
    weil der Nachschub nicht mehr kam,
    doch wollten sie doch nur den Rahm.

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  3. Grimms Märchen waren bei uns tabu. Meine Mutter war der Ansicht, dass das eben Geschichten sind, die sich eigentlich früher Erwachsene in den Abendstunden bei Kerzenlicht erzählten und dass rollende Schädel und zu Tode geschlitterte Bösewichter in inwendig mit Nägeln beschlagenen Fässer in den Köpfen ihrer Zwerge nichts zu suchen hätten.
    Das hatte Nebenwirkungen in meinem Erwachsenenleben.
    Tag der offenen Tür am Anhaltischen Theater Dessau, ich eingeteilt zum Märchen raten mit den Blagen. Ich schmeiße mich ins Kostüm, hole dann an der Pforte Süßigkeiten und Inhaltsangaben der Märchen ab. Plan: ich lese die Beschreibungen vor, die Kinder dürfen reinbrüllen, die richtigen Brüllknirpse kriegen Süßes. Ich platziere mich mit Kaffee in der Kantine und beginne meine vorbereitende Lektüre dieser Aktion. Was ich vergeblich suche ist die Auflösung zu den Inhaltsangaben und zwei Drittel der Märchen sind mir völlig unbekannt. :)
    Ich mache mich also in vollem Prinzessinnenoutfit dynamisch sportlich auf die Suche nach meinem Dramaturgen. Wer schon mal am Dessauer Theater war, der weiß, das Ding ist gigantisch groß und am Tag der offenen Tür können alle überall sein... und das vor dem Handy-Zeitalter. Es muss Cartoonhaft ausgesehen haben, wie ich da durch alle Gänge von vorne nach hinten gespurtet bin... als Prinzessin!!!
    Schließlich war ich außer Puste, fand aber meinen Dramaturgen und japste "Hartmut, das kannst du nicht machen - woher soll ich denn wissen welche Kinder recht haben???"
    Er guckt mich an mit großen Augen. "Hat dir niemand vorgelesen?" Ich: "Doch, Karl May und Perry Rhodan!".
    :)

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  4. Perry Rhodan war aber kindertauglich? Vielleicht magst Du deshalb Horrorfilme u.ä., Nachholebedürfnis?

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  5. Doch, doch, der gute Perry ist erstaunlich kindertauglich. Klar, es gibt eine Sammlung von Bedrohungen, Weltraumschlachten und die üblichen Verdächtigen in Sachen Fieslinge... aber das Autorenteam hat eigentlich nie Grausamkeiten ausgewalzt und die Fieslinge erreichte nie dieses psychopathisch pathologische Level, wo Negativgestalten anfangen einem in die Gehirnwindungen zu krabbeln. Außerdem gibt es einen geckenhaften Roi Danton, einen pummeligen Mausbiber namens Gucky mit Grinsezahn, die Rasse der nahezu unzerstörbaren Haluter, von denen sich manche einen ebenso resistenten Okrill als Haustier halten (man muss ihm auf die Nase hauen, damit es wohlig grunzt - deren Heimatplanet hat halt 3,6 Gravos, die halten was aus), den ungelenken Offizier Bully, die ziemlich coole Superintelligenz ES, und einen Haufen Mutanten mit einer Menge wünschenswerten Fähigkeiten.
    Außerdem bemerkenswert selbstständige Frauengestalten und nicht wenige Helden.
    Im Grunde genommen sind absolut alle Zutaten da, die man so braucht für ein riesiges buntes Märchen.
    Im Ernstfall bezichtige ich meine Mutter übrigens auch der Zensur. Samstags ging sie ins Kino, Sonntagmorgen beim Frühstück erzählte sie die Filme nach... Star Wars habe ich zuerst erzählt bekommen und später habe ich festgestellt, dass sie da ganz schön begütigend erzählt hat... naja, ich war acht und Darth Vaders Weg pflastern eben doch ein paar Leichen.
    Ich glaube eigentlich nicht, dass ich da was nachhole. Ich glaube menschlicher Extremismus interessiert mich. Ich lese zum Beispiel die Bücher von John Douglas über seine Arbeit als Profiler. Mich interessiert, was im Kopf eines Menschen alles zur Normalität und Logik werden kann und wieso. Das ist nicht weit weg von unserer Arbeit.
    John Douglas und Patrick Stewart trafen sich einmal. Stewart bereitete sich gerade auf "Othello" vor. Sie schrieben unabhängig voneinander ein Profil für diese Rolle und verglichen diese... sie waren über weite Teile sehr identisch. Sie kamen überein sehr ähnliche Arbeit zu verrichten. Nur mit dem Unterschied, dass einer von beiden den fraglichen Menschen erzeugt, der andere will einen bereits existenten finden und sicherstellen. Die Denkweise für ihre Aufgaben aber war ähnlich. Sie mussten verstehen und nachempfinden, was für die meisten Menschen eine fremde, extremistische Gedankenwelt darstellt.

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  6. Bin beim Scrollen wieder an dem gruseligen Bild hängengeblieben.
    Frühstücksbrotkinderporno. Wie bringt man ein Kind dazu, so zu gucken. Oder ist es gemalt? Auch nicht besser. Dann muss man sich um das Umfeld des Malers Sorgen machen.

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