Sonntag, 5. Juni 2011

Gott ist tot


"Gott ist tot" ein Roman von Ron Currie, jr. , erschienen 2007

Gott begibt sich in den Körper einer jungen Frau, die sich, auf der Suche nach ihrem, vor 15 Jahren von 'Rebellen', verschleppten Bruder durch den Sudan schleppt. Er stirbt mit ihr, wilde Hunde fressen Teile des Leichnams, der säuerlich schmeckt und beginnen am nächsten Morgen mit Zungen zu reden. Die Nachricht von Gottes Tod verbreitet sich auf Erden. Wie lebt es sich nun ohne Gott? 

Nur die wenigsten von uns halten es ohne Gott oder einen Ersatz für ihn aus und in diesem Buch gibt es, allein durch die Prämisse, auch gar keine Diskussion, ob es ihn nun gibt oder nicht. Die Frage, die Currie durchkostet, ist: brauchen wir Gott?
Und ich meine "durchkosten", er probiert mögliche Varianten nur aus, beginnt sie in der Mitte und endet vor dem Schluss, unentschieden, oder ist es unentscheidbar, ob es sich um Satire oder Tragödie handelt.
Ein zartes Buch, ein dünnes Buch, ein fast heiter hoffnungsloses Buch.

What if God was one of us?
Just a slob like one of us
Just a stranger on the bus
Trying to make his way home.

Was, wenn Gott wie wir wäre?,
Nur ein Tölpel wie wir wäre
Nur ein Fremder im Bus
Der den Weg nach Hause sucht.


Michelangelo; Gott erschafft die Sonne
„Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getödtet, – ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir diess gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was thaten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Giebt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? […] Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?“
Friedrich Nietzsche

Michelangelo; Adams Hand und Gottes Hand
"Gott ist tot" Nietzsche
"Nietzsche ist tot." Gott

Kommentare:

  1. Alexander Höchst6. Juni 2011 um 20:59

    Der kleine Junge steht in dem schönen Raum zwischen vielen eigenartigen Sachen, die er noch nie gesehen hat. Er läuft um sie herum, beäugt, berührt sie vorsichtig, nimmt sie in den Mund, wenn denn möglich. Er überprüft die Dinge auf ihre ihm völlig unbekannte Funktion, die sie ihm nicht offenbaren wollen. Schließlich  greift er einen der Gegenstände nach dem anderen, lässt sie auf den Boden aus Stein fallen und staunt, was da geschieht. Die zerbrochenen Einzelteile liegen verteilt auf dem Marmor. Der Nutzen der ominösen Teile hat sich ihm leider trotzdem nicht erschlossen. Am Ende sitzt der Bengel erschöpft in mitten von Trümmern und schluchzt; alles ist kaputt. Es wieder zusammen zu setzen, ist ihm nicht möglich. Und so legt er sich zwischen die Trümmer und schläft endlich ein. Die Einzelteile fügen sich zu einer großen Rakete zusammen, mit der er und der Sandmann ins All starten und von dort den Abendgruß für die anderen Kinder senden. Glücklich wacht der Bub auf, geht zu Mama und Papa, um seinen Bärenhunger zu stillen. Aber das schöne Zimmer wird er nicht mehr betreten. Es bleibt verschlossen, bis das Kind stark genug ist, den Anblick dort drinnen ertragen zu können. Dann kann das Puzzle beginnen.

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  2. Die Wenigen, die was davon erkannt, hat man seit je gekreuzigt und verbrannt.
    ( ist mir mal haften geblieben, wahrscheinlich aus Goethes Fragment vom ewigen Juden )

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  3. Nun weiß ich es besser:

    Die Wenigen, die was davon erkannt,
    Die töricht gnug ihr volles Herz nicht wahrten,
    Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten,
    Hat man von je gekreuzigt und verbrannt.

    ( Goethe stimmt, aber aus Faust I )

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  4. „Der Mensch sinkt, wenn er einmal sinkt, immer unter das Tier.“

    Friedrich Nietzsche (Wie man wird, was man ist)

    Wo ist eigentlich das Paradies geblieben? Tatsächlich befinden wir uns noch immer mitten darin, aber wir sehen es nicht. Wir können es nicht sehen, weil Heerscharen von Schweinepriestern uns erzählen, das Paradies sei ein „Obstgarten“, in dem es Verbote einzuhalten gilt, die gar nicht einzuhalten sind. Diese Lüge verbreiten die Priester seit Jahrtausenden; zuerst, weil sie uns belügen mussten, und später, weil sie nicht mehr anders konnten. Das Lügen wird zur Gewohnheit, wenn die Wahrheit längst vergessen und die Lügerei umso besser bezahlt ist, je höher das Lügengebäude wird, das mit verbogenen Balken gerade noch errichtet werden kann.

    Unser schöner Garten Eden wurde zu jener „modernen Zivilisation“, in der das Lügen mittlerweile so gut bezahlt wird, dass die ehrliche Arbeit es kaum noch tragen kann.

    Alles begann mit der Erbsünde. Als noch niemand wusste, wie der Himmel auf Erden zu gestalten ist, in der niemand einen unverdienten Gewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer erzielen kann, durfte das arbeitende Volk nicht wissen, dass im Privatkapitalismus ein nachhaltiges Wirtschaften unmöglich und der nächste Krieg unvermeidlich ist. Priester wurden verpflichtet, allen Zinsverlierern zu erzählen, die Marktwirtschaft sei ein „Obstgarten“ und manche Früchte seien eigentlich verboten aber wohl in der Praxis nicht zu vermeiden. So verschaffte die Erbsünde denen ein Auskommen, die außer lügen nichts gelernt hatten.

    Problematisch wurde es erst, als ein Prophet erklärte, dass mit konstruktiv umlaufgesichertem Geld der Allokationsmechanismus zwischen Kreditangebot und Kreditnachfrage erhalten bleibt, auch ohne dass das Finanzkapital mit dem Urzins belohnt werden muss, damit es rentable Sachkapitalien gebiert. In diesem Fall wäre das Kreditangebot mit der Summe aller Ersparnisse identisch, der Geldkreislauf stabil, der Geldverleih gerecht, jede Geldbewegung intelligent, jeder Anspruch auf Geld gesichert, und Gott würde nicht mehr gebraucht.

    Das Paradies von der Erbsünde befreien und das auch noch ohne Verbote? Diese „Unverschämtheit“ konnte man nicht durchgehen lassen, denn dann würden sogar die Lügner wieder von ehrlicher Arbeit leben müssen.

    So wurden alle Priester zu Schweinepriestern; und alle, die nicht gestorben sind, belügen uns noch heute.

    Herzlich Willkommen in der wirklichen Welt:

    http://www.deweles.de/willkommen/himmel-und-hoelle.html

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  5. Sehr geehrter Herr Wehrmeier,

    Genau das gleiche haben Sie gestern doch schon zu einem anderen Beitrag geschrieben. Passt es immer oder wollten Sie noch mal nachdrücklich auf etwas hinweisen?

    Mit fragendem Gruss, Johanna Schall.

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