Freitag, 17. Juni 2011

Flake - Mein Leben

Ein 45 minütiger Dokumentarfilm von IT WORKS Film über den Keyboarder von Rammstein Flake, der mit bürgerlichem Namen Christian Lorenz heisst.
Hm. Enorm unterhaltsam, sehr gut geschnitten, mit tollen Animationen von Leif Heanzo. Was für ein Künstlername!.

Und er entließ mich verstört. Der Mann ist ein Alien. Er liebt die DDR. Er war Punk, er hat den Armeedienst verweigert und durfte deshalb nicht Medizin studieren, er ist verhaftet worden, er hat erlebt wie viele andere Punker in den Knast geworfen wurden, in den Westen abgeschoben und und und. Aber er sagt in einem Spiegel-Interview:

"Ich musste mich damals auch entscheiden: Ich wollte auf keinen Fall zur Armee, man musste aber hin, sonst konnte man sogar ins Gefängnis kommen. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden. Dafür durfte ich dann nicht studieren und konnte nicht Arzt werden. Das war für mich eine freie Entscheidung. Für mich bedeutet Freiheit, dass man die Wahl hat, zu tun, was man will. Und das hat für mich im Osten sehr gut funktioniert. Und jetzt passiert durch den Kapitalismus so viel Dreck hier um mich herum. Weil so viele Menschen irgendwelchen Mist machen, nur um Geld zu verdienen. Das nervt mich. Bis heute fehlt mir die DDR sehr. Mehr als die Bands von damals."

Was ist das? Dumm wirkt er nicht, keineswegs, aber fremd in der Welt. In dieser, wie in der der DDR. Als lebte er in einer Parallelwelt. Verstörend.

 

Kommentare:

  1. Ötti sagt: Eine Demokratie ist kompliziert und anstrengend, weil sie ständig verlangt, dass man eine Wahl unter vielen Möglichkeiten trifft. In der Diktatur ist es einfacher, es gibt nur zwei Möglichkeiten. (Und manchmal gar keine. Da werden Leute umgebracht, und erfahren nie, warum, sie waren doch immer dafür.)
    Ich habe den Film nicht gesehen, denke aber, Intelligenz funktioniert auch, um sich Begründungen und Denkgeflechte zu schaffen, die verworrene Gefühle zu sortieren scheinen.

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  2. Alexander Höchst17. Juni 2011 um 12:44

    Ich komme in das Haus zurück, in dem ich aufwuchs. Es sieht noch genauso aus, von Kleinigkeiten abgesehen. Es riecht anders. Die Milchschüssel für die Katze steht nicht wie sonst immer vor der Tür, keine Schuhe. Es leben andere Menschen darin, Fremde in meiner Kindheit und Jugend. Meine Eltern sind tot, die Geschwister verstreut im Land. Ich bin verwirrt. Alles ist weg. Eine Mischung von Vertrautheit und Leere macht sich in mir breit. Die Zeit meiner Jugend kann sich nirgendwo festmachen. Sie ist gefangen in meiner Erinnerung; meine Zeit. Meine prägende Zeit ist verloren. Ein Besuch ist nicht mehr möglich. Ich bin enttäuscht. Es schmerzt. Wo ist das Grab meiner Kindheit? Es ist geschändet. Ich verlasse den Ort meiner frühen Träume und begebe mich in die Welt, die ich mir nicht ausgesucht habe. Ich lebe in ihr und es geht. Ich gehe weiter an vertrauten Kulissen ohne Inhalt vorbei bis sich auch meine Spuren verwischen werden. Adieu Heimat.

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