Donnerstag, 30. Juni 2011

Böses facebook - Gutes facebook


ich habe viele facebook-freunde. 
die meisten kenne ich nicht.


ich habe auf facebook einige alte bekannte wiedergetroffen. das war schön und die sind entweder interessanter geworden oder ich kann jetzt besser gucken, dass habe ich aber erst bemerkt, als wir uns zum kaffee getroffen haben.

einige neue bekannte, 'bekannte' hier als untergruppe des gewöhnlichen facebook-freundes, habe ich auch gemacht. kluge Leute, die über dinge sprechen, die mich interessieren und die humor haben.
mit zweien habe ich mich im richtigen leben getroffen. das war besser.

Der rest ist quatsch, meistens, manchmal unterhaltsam, gelegentlich informativ. 

chatten, dass heisst, in kurzen, hastig getippten sätzen eine unterhaltung führen, finde ich ganz blöd. Meistens geht es nur um eine pointe und wenn es interessant werden könnte, will ich lieber reden mit gesicht angucken, ohne gesichtsbuch.

man kann auf facebook dinge, sätze, meinungen "liken". das ist die digitalisierte variante des aufmunternden nickens.

manche menschen schreiben über sehr persönliche dinge. das habe ich einmal getan, bevor ich verstanden hatte, dass jeder das lesen kann und nicht nur der, mit dem ich gerade kommuniziere. warum tuen leute sowas? warum wollen sie hunderten anderen mitteilung geben über ihre liebe, ihre schmerzen? und das heisst dann noch statusmeldung, wie eine gewichtige anamnese des jeweiligen gesundheitszustandes.

ich bin auch gehackt worden! man klickt auf eine alberne nachricht oder ein verlockendes pornographisches video und hui! warum möchte jemand meine facebookseite hacken? will er so sehr mein freund sein und traut sich nicht eine (es folgt ein weiteres unwort) freundschaftsanfrage zu stellen? 

man kann freunde auch defrienden, entfreunden sozusagen. das geht ganz leicht, ein klick auf ein kreuzzeichen, remove/entferne und aus ist die freundschaft.

heute habe ich gelesen, dass wegen facebook & co die mail stirbt. schon! und sie war doch noch so jung. wenn man bedenkt wie lange es den guten alten brief gab.

wenn google jetzt google+ startet, beenden wir dann alle freundschaften auf facebook und suchen uns dort neue? oder ziehen wir alle zusammen in die nächste kneipe?

Ich verschwende oft zeit auf facebook.

Kommentare:

  1. Pierre Sanoussi-Bliss commented: "ich verschwende keine zeit. der begriff "freund" ist sicher dem amerikanischen "friend" geschuldet und weeeeiter gemeint. wenn mir am strand von wo auch immer im ausland jemand "hello, my friend!" zuruft, denk ich auch nicht dran, dass wir noch nie zusammen pferde geklaut haben. auch, wenn er mir für etwas billiger eine sonnenbrille verkaufen will... ich kann das ganze zeugs hier gut leiden. klink mich ein und aus und kommuniziere mit menschen, die ich ewig nicht gesehen habe und mit welchen, die ich vielleicht nie kennenlernen möchte, oder mit welchen, die ich kenne, aber die mir näher auf den keks gehen würden, oder... bei einer party und in der kneipe gehe ich doch auch weg, wenn mich das gespräch nicht (mehr) interessiert. das kann ich hier auch. das wirkliche leben geht trotzdem weiter und mein fester, realer freundeskreis hat sich durch fb nicht verändert. keiner ist gezwungen, sich hier einen account einzurichten. keiner ist gezwungen, mehrmals tgl was zu posten, kontakt zu halten. ich habe auch reale freunde hier auf fb wieder gelöscht, weil sie das ding hier nicht verstehen, bzw zuviel hinein "persöneln". für mich ist es pure unterhaltung und ich will auf fb zbsp getröstet werden, wenn ich beim dreh irgendwo in der wallachei rumstehe. mit welch blöden sprüchen auch immer. ich habe alle möglichkeiten, die fb zum personalisieren bietet, ausgeschöpft und derer sind viele. ich werfe dauernd die "gipseier" wieder raus. hab ja auch keine im kühlschrank zwischen den frischen. das geht hier schneller als in echtzeit, aber das kann auch ein vorteil sein. es ist nicht mehr oder weniger als eine kommunikationsplattform, die sich allem entzieht, was wir reindeuteln wollen. es sind wir. kein gott. doof und intelligent. tagesform. desinteresse. begeisterung. schwachsinn. gedankenfetzen. fitzliputzli. gaga. sentimental. und je nach stimmung lass ich mich drauf ein. und das macht spass. mir."
    "ich sitz auch nicht ständig vorm computer. die vorstellung ist falsch. ich daddel auf dem ipad, während ich den SPIEGEL drauf lese, auf dem iphone, während ich mal wieder einen flieger verpasst habe und im hotelzimmer, während ich in gambia oder auf hiddensee in die sterne gucke..."

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  2. Burkhard Ritter schrieb:
    Eigentlich ist schon alles zu facebook gesagt worden vielleicht noch die Fragen der Sicherheit. Deswegen sind viele ausgestiegen oder die dauernden Anfragen für blöde Spiele. ich hatte mich anfangs bei facebook angemeldet um Kontakt zu den eigenen Kindern zu haben. Wurde mir aber dann zu langweilig, denn die Jüngeren haben eigene Interessen und sammeln Erfahrungen die ich schon gelebt hatte. Also suche ich mir eigene „Freunde“ mit denen ich Informationen austauschen kann. Die tollen Fotos, Bücher, Musik und die oft witzigen Einfälle über die man einfach quatschen oder sein „ gefällt mir“ mitteilen möchte. Und wo wird man schneller informiert als über fb, twitter usw. Deshalb kotzen die Printmedien ab und müssen sich neues einfallen lassen.

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  3. Tini Zirkusratte schrieb
    guter Text und so wahr... nur als von-dir-auf-facebook-als-"Freund"-geaddeter Mensch kommt man nun ins Grübeln ;)

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  4. WWW:WORT FÜR WORD@PERFECT.COM

    Ein Sonett

    Von Volker Gransow


    Quit Word Perfect

    Nichts ist so gleich mit jener Wirksamkeit,
    Die ein Computer manchmal hat , wie starker Trunk.
    Wenn nach dem letzten Mausklick alles grauschwarz bleibt -
    Gibt's Worte ( Zahlen, Zäsuren ) in der Dämmerung ?

    Next Field

    Gibt es Musik hier, laute , die man wirklich hört
    In dieser Bildschirmnacht, in der sich alle Mäuse gleichen?
    Was dämmert jenem , der vom World Wide Dream verstört
    Erwacht am Technikmöbel ? Drumrum verblasste Zeichen ?

    Next Window

    Geronnener Befehl, der noch am Keyboard pappt
    Nach sehr viel Werbung , sinnloser Sonderschicht .
    Der Schirm ist leer, und wiedermal hat nichts geklappt.

    Restore Doc Window

    Draußen der Himmel, dieser dunkelhelle Schein.
    Man sieht schnell weg und will noch einmal. Schlaflos im Licht
    Erschrickt man, aufgescheucht, und schaltet wieder ein.

    File Edit Search Layout Mark Tools Font Graphics Help

    Erschienen in "Lettre International", Heft 4/1997
    Volker

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  5. kommentieren = erläutern‹, seit dem 17. Jarhundert, stammt vom Lateinischen commentari, erläutern wie lat. comminisci: ersinnen, sich besinnen
    cum = mit + mens = Sinn, Verstand, Geist

    Kommentare sind schön! Mitsinnen, mitdenken!

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  6. Alexander Höchst1. Juli 2011 um 12:18

    Ich weiß nicht, aber ich hatte irgendwann mal auf fb gepostet, das ich heute das Gespräch, den verbalen Ausstausch vermisse, wie ich ihn aus unserem heute nicht mehr existierenden Studentenclub der HFF Babelsberg 'Die Bratpfanne' kannte. Wenn ich nicht gerade mit vielen Menschen arbeite, vereinzele ich zunehmend. Je älter ich werde, desto stiller wird es. Und da ist fb hilfreich, alte Kontakte, Bekanntschaften, ehemalige Spielpartner wieder zu finden und zumindest zu wissen, wo sie stecken und ab und an auch ein paar Sätze auszutauschen, manchmal auch mehr. Den größten Teil meiner fb-freunde kenne ich auch persönlich. Und das ich hier auf dem Blog gelandet bin verdanke ich fb; was ich als eine große Bereicherung empfinde. Privates versuche ich weitgehend raus zu lassen oder ich bediene mich der Mail bzw. des Telefons. Das Problem der Unverbindlichkeit und der Oberflächlichkeit gab es in unserer Gesellschaft auch schon vor fb. Wir sind ja nicht auf die anderen angewiesen und können uns durchaus allein durchschlagen; was in meiner Heimat aus bekannten Gründen anders war. Ich glaube, dass fb das Gefühl der Vereinsamung wie ein Katalysator verstärken kann. Wenn ich viele fb-freunde habe, prasselt auch ständig etwas auf mich nieder, was mir auch zu viel werden kann. Ich brauche das Gleichgewicht; etwas, dass die Leere sinnvoll füllt und das bekomme ich oft nicht hin. Und da beginnt mein Schmerz. Dafür kann jedoch fb an sich nichts. Das hat, glaube ich, etwas mit unserer hochtechnisierten, kapitalistischen und schnellen Industriegesellschaft und mir zu tun.

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  7. Vorab: ich LIEBE das Internet! Ich liebe Skype, weil meine Menschen verstreut sind und ich so wenigstens ihr Gesicht beim reden sehen kann, ich liebe die unerschöpflichen Informationen, die sich vor mir ausbreiten, den Zugang zu Gedanken, die Menschen geäußert haben, die tausende Kilometer von mir entfernt leben, ich liebe es das Wissen anderer anzapfen zu können, das Internet trainiert mein Englisch, das Internet beliefert mich mit Escape-Games, die ich auch liebe, und es bringt mich zumindest optisch an jeden Ort... vom Louvre bis an die Grenzen des beobachtbaren Universums, das Internet hat meine long-distance-Beziehungen bereichert auf eine Weise für die ich früher Königreiche verkauft hätte um sie zu haben ... ich bin ein absoluter Internetjunkie.
    Aber ich bin facebook-free und bekennend facebook-allergisch. Warum?
    1. Die AGB sind eine Pest. Egal was ich personalisiere, egal wie oft ich widerspreche, ich räume facebook Rechte ein, die nicht einmal Freunde von mir erbitten würden ...und die wären die einzigen, die sie kriegen könnten.
    2. Die wichtigen Themen, Auseinandersetzungen und Fragen verdienen ausgiebigere Worte als ein durchschnittlicher Facebookpost zusammenbringt. Und die unwichtigen verschwenden meine Zeit.
    3. Ich will nicht wenig von vielen lesen, sondern von wenigen viel.
    4. Ich reagiere extrem scheu wenn Menschen auf mich zustürmen und Aktionen von mir erwarten. Das ist im Internet nicht anders. Ich betrachte sogar die Beantwortung von Mails und SMS als "Kann-Option"... ich bin vollständig ungeeignet zur Pflege sozialer Netzwerkkommunikation.
    5. Ich habe tatsächlich schon Freunde aus dem Internet geadded (heißt das so?) und auch sehr interessante Menschen... dafür brauchte ich keinen button, das ergab sich aus hin und hergeschmissenen Worten charmanter Güteklasse. Diese Worte fügten sie meiner Kommunikationswelt hinzu, ganz ohne social software.

    Verpasse ich deswegen manchmal was? Ja. So what... ich verpasse jeden Tag etwas.

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